Archive for June, 2008
Stegbauer: Medien (2005)
Stegbauer, Christian: Medien und soziale Netzwerke. In: Mediensoziologie. Grundfragen und Forschungsfelder. Hg. v. Michael Jäckel. Wiesbaden 2005. S. 319 -334.
Eine kurze Zusammenfassung: Bis zu meinem Forschungsgebiet ist Stegbauer leider nicht vorgedrungen. Interessant ist der Beitrag dennoch. Sehr praktisch:
Teil 1: Klassiker der Netzwerkperspektive
Teil 1 in dem “soziologische Klassiker als Vorläufer der Netzwerkperspektive” (S. 319) vorgestellt werden. Er nennt einige Namen, die mir bis jetzt noch nicht untergekommen sind, beispielsweise: Alfred R. Radcliffe-Brown, dem der “Begriff des Netzwerks zur Beschreibung von Beziehungsstrukturen zugerechnet wird”. Nur Personen sind aber bei Radcliffe-Brown Teil des Netzwerks.
Des Weiteren: Georg Simmel, der zwischen Form und Inhalt unterscheidet [was von Latour aber vehement abgelehnt wird]. Simmel soll auch “Bilder benutzen, die das Netzwerkdenken anregten und auch heute noch in der Netzwerkanalyse von Bedeutung sind”.
Dritter Protagonist: Leopold von Wiese, der nicht nur “zwischen Form und Inhalt trennt”, sondern auch den Begriff der Distanz einführt.
Nummer vier, der Hauptprotagonist der empirischen Netzwerkforschung: Harrison White. Viele der heute bekannten Netzwerkforscher waren “teaching assistants” in Whites Einführungskurs Nr. 10 zu Social Relations. Sehr mathematische Sichtweise (auf den ersten Blick, ohne da tiefer recherchiert zu haben).
Teil 2
Während Teil soziologische Klassiker als Vorläufer der Netzwerkperspektive dargestellt hat, beschäftigt sich Teil 2 des Aufsatzes von Christian Stegbauer mit “Netzwerkanalysen im Feld der Mediensoziologie”. Er bringt drei Beispiele und verweist auf die Forschung anderer Wissenschaftler:
Netzwerke und Meinungsführerschaft
Nicht wirklich relevant für meine Arbeit, jedoch inhaltlich interessant. Quintessenz: Meinungsführer nutzen Medien mehr, verfügen aber nicht unbedingt ein höheres Sozialprestige. Später wurde Kritik an der Methode dieser Untersuchung geäußert.
Michael Schenk (1995, Soziale Netzwerke und Massenmedien) untersucht den Einfluß von Medien und persönlicher Kommunikation. Interessant dabei: Wie er die persönlichen Netzwerke der Interviewpersonen aufzeichnet. Er stellt Fragen, “die dazu dienen, die zum sozialen Netz der Zielperson gehörenden Alteri zu erfassen” Ich kann mir gut vorstellen, dass sich diese Fragen in gewisser Weise auch für die Erforschung eines Akteur-Netzwerks einsetzen lassen. [Das meint auch Latour, wenn er in Soziologie (2007) darüber spricht, dass man die Sozialwissenschaften zur Vermessung des Raums heranziehen kann. Ganz optimal eignen sich die Fragen aber nicht, schließlich fragen sie nur nach menschlichen Wesen; vielleicht lassen sie sich umformulieren]
-
- Diskutiert diese andere Person im Netzwerk wichtige persönliche Angelegenheiten?
- Diskutiert diese andere Person allgemeinpolitische Ereignisse?
- Machen Sie gemeinsame Unternehmungen?
- Ist es eine Person, die am Laufenden ist und Bescheid weiß (informierte Bekannte?)
Von Schanks Analyse zu Meinungsführerschaft finde ich folgende Ergebnisse relevant: Wer z.B. im Kollegenkreis Meinungsführer, muss das nicht unbedingt in der Fußballmannschaft sein. Allerdings besitzen Meinungsführer größere Netzwerke und verfügen über einen höheren Bildungsabschluss. Was heißt, dass “Meinungsführer persönlichkeitsstärker sind als etwa Meinungsempfänger”, gibt mir Rätsel auf. Es ist wohl ein Zugehen auf die eigene Leserschaft, schließlich ist wahrscheinlich, dass diese sich als Meinungsführer sieht.
Wichtige Erkenntnis: “Derjenige, dem es gelingt, eine Verbindung zwischen einander relativ abgeschlossenen Gruppen herzustellen, kommt in einer herausgehobene Position” (S. 325)
Netzwerke und Gruppenkommunikation
“In einem Forum im Internet fällt auf, dass obschon eine größere Anzahl an Autoren auftritt, bestimmte Autoren öfters, manche sogar sehr oft agieren”. Begriff des Multilogs eingeführt (Dialog mit mehreren Menschen). Ansonsten belanglos für meine Forschung.
Netzwerke und World Wide Web
Links entsprechen Beziehungen im WWW. Eine soziale Bezeihung besteht nur insofern, als beide Seiten meist von Menschen erstellt wurden. Die Verlinkungen repräsentieren oft eine Beziehungsstruktur, wie sie auch außerhalb des Internets zu finden ist.
Brives und Latour: Wissenschaft (2007)
Hier der volle Beleg: Brives, Charlotte und Latour, Bruno: Wissenschaft durch den Gefrierschrank betrachtet. In: Auf \ Zu. Der Schrank in den Wissenschaften. Hg. v. Anke te Heesen und Anette Michels. Berlin 2007. S. 74-79. Der Beitrag ist auch im Internet auffindbar: http://www.bruno-latour.fr/poparticles/poparticle/P-134-BRIVES.pdf (eingesehen am: 08.06.08).
Ein kurzer Text, den Heinz für einen Ausstellungskatalog übersetzt hat. Detaillierte Beschreibung eines Gefrierschranks in einem Forschungslabor. Brives und Latour zeigen auf verschiedene Aspekte dieses Gefrierschranks, z.B. Größe, Aussehen, Aufbau.
Anschließend geht es zum Inhalt des Schranks. Eine Tabelle, die neben dem Schrank befestigt ist, sagt, was wo zu finden ist. Die einzelnen Forschungsobjekte, die im Gefrierschrank lagern, sind unterschiedlich verpackt und etikettiert.
S. 77 Gefahr der Unordnung. Etiketten an den Versuchsobjekten gewinnen ihre Bedeutung nur, wenn sie mit der digitalen Datei verknüpft sind. Schwenk zum Röhrchen mit Hefe, das “außerhalb des Kühlschranks” eine “Rundfahrt” macht. Gefahr der Kontamination. Wichtige Erkenntnis: Andere Faktoren verursachen Risiko; durch sie kann also passieren, das etwas nicht so funktioniert, wie geplant. Auf diese Faktoren muss man in einem ANT-Bericht hinweisen. Zwar sind es Gefahren, die nicht unbedingt eintreten müssen, doch sie können Eintreten und damit beeinflussen sie schon die anderen Objekte.
Eigentliche Aufgabe des Gefrierschranks: Die Hefen identisch halten und vor dem Verderben schützen. Die Wissenschaftler müssen den Gefrierschrank ersetzen, in der kurzen Zeit, in der sich die Hefe in ihren Händen befindet.
S. 78 “Ohne Zweifel spielt der Kühlschrank in diesem Laboratorium eine zentrale Rolle. Jede Handlungsfolge endet in ihm, jede Handlungsfolge beginnt mit ihm.” [Kritik: Diese Formulierung widerspricht meiner Meinung nach des von Latour sptäer geprägten Bildes der zirkulierenden Entitäten (von Mittlern weg und zu Mittlern hin), wo Anfang und Ende nicht definierbar sind.] “Es ist daher nicht erstaunlich, dass man die gesamte Labororganisation ausgehend von diesem bescheiden wirkenden Apparat verstehen kann.”
Es folgt eine Beschreibung der Beschränkung und der Ausnahmen der Benutzung des Gefrierschranks. Doktorandin mit Privilegien. Zwei Handlungstypen: 1. Jeder ist befugt, aus dem Schrank Röhrchen zu entnehmen. 2. Neue Stämme hinzufügen darf aber nur der Teamchef.
Weiterer Aspekt: Die Nummern werden neuen Organismen in ansteigender Größe zugeordnet. Die Organisation des Gefrierschranks gibt also die Forschungsgeschichte des Labors wieder. 10 Jahre Arbeit des Labors sind in diesem Kühlschrank versammelt. [Eine interessante Erkenntnis, finde ich. Auf so etwas kann man nur stoßen, wenn man die Spuren, die das Soziale hinterlässt neu aufzeichnet]
“Während der Gefrierschrank von ihnen damit beauftragt wurde, über das zu wachen, was sie ihren “Schatz” nennen…” [gemeint sind die Menschen im Labor; Gut finde ich, dass die Autoren hier die Aussagen der Menschen einbauen.] Die Beziehungen zwischen Menschen und Kühlschrank lassen sich nicht verstehen, ohne sich auf den Inhalt des Gefrierschrankes zu berufen.
Kurze Jubelmeldung II
Eben mit der Lektüre von Latour: Soziologie fertig geworden. Gutes Gefühl.
Kurze Jubelmeldung
Ich bin fertig mit dem ersten Teil von Latour: Soziologie. Ich muss noch ein paar Seiten in die Zusammenfassung tippen, dann kann es losgehen mit Teil 2.
Und dann kann es losgehen mit der Verschriftlichung der Diplomarbeit. Anfang nächster Woche sollte es soweit sein. Juhu.